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Verfasser: moontan
Datum: Dienstag, den 26. September 2017, um 11:24 Uhr
Betrifft: Sexueller Missbrauch: Vergleiche, Zahlen und Rückschlüsse

Ich würde das Thema über den sexuellen Missbrauch in den christlichen Kirchen gerne aufgreifen. Heute habe ich leider vergeblich nach einer Statistik gesucht, die einen Vergleich zwischen den Großkirchen oder kleineren Denominationen zulässt. Also in der Form von "offizielle Missbrauchsfälle in absoluten Zahlen, z.B. 2010 - heute, Kirchen im Vergleich" o.ä.  Bei fast jeder Suchanfrage über Google, egal wie man sie formuliert (und mit einigen Schlüsselwörtern versieht, wie sexueller Missbrauch, Missbrauch, Pädophilie, Kirche, alle Kirchen, Statistik etc.), erscheint die katholische Kirche an erster Stelle als Ergebnis der Suchanfrage. Die EKD erscheint auch immer wieder.

Über andere christliche Kirchen oder Denominationen, wie den Zeugen Jehovas, den Siebenten-Tags-Adventisten, den Mormonen, Freikirchen, den Methodisten etc. findet man eigentlich nichts. Gibt man allerdings gezielt "Mormonen" und Missbrauch" o.ä. ein, findet man durchaus etwas. Allerdings handelt es sich dabei weniger um offiziell bekanntgewordene Fälle, die auch von der Justiz verfolgt werden (ich habe einige Fälle hier genannt), sondern ausnahmslos um Beiträge in verschiedenen deutschsprachigen Religions- oder "Ausstiegs"-Foren oder, soweit ich es ersehen konnte, um reine Verdachts- oder behauptete Fälle.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass u.a. die Mormonen (LDS, das ist die amerikanische Abkürzung für Latter-day Saints, also der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage) mit einer geschätzten Mitgliederzahl von ca. 32.000 in Deutschland völlig unauffällig in dieser Hinsicht erscheinen. Gleichso die ZJ, die STA, die Methodisten und Freikirchen. Immer wieder tauchen in großer Zahl jedoch Missbrauchsfälle im Zusammenhang mit der RKK auf, gefolgt (aber mit großem Abstand) von der EKD. Dies mag natürlich mit den vergleichsweise großen Mitgliederzahlen beider Großkirchen zusammenhängen, so dass ich mir einen relativen (prozentualen) Vergleich in Form einer umfassenden Statistik wünschen würde.

Behauptete Einzelfälle nützen da gar nichts, und sie können eigentlich nur dem Zweck der Diskreditierung einer der angeführten Religionsgemeinschaften dienen. Aussagekräftig wären konkrete Zahlen, die auf Grund der Häufigkeit entstehen, und hier sind dann Beispiele wie die von mir vorgenannten von Interesse. Sicherlich gibt es eine große Dunkelziffer, aber darauf kann man nur schließen, wenn bekanntgewordene Fälle in erheblicher Anzahl auch diesen Schluss zulassen. Bei der RKK dürfte in dieser Hinsicht kein Zweifel bestehen, aber bei den kleineren christlichen Religionsgemeinschaften fehlt einfach die Bezugsgröße, und es fehlen konkrete und offiziell bekanntgewordene Verdachtsfälle bzw. Ermittlungsverfahren. Es fehlt demnach also der Anfangsverdacht, mit dem man eine dieser kleineren Kirchen belegen könnte, um auf weitere Fälle schließen zu können, um es als etwas Typisierendes für eine dieser Kirchen erheben zu können.

Hier den Fokus ausschließlich auf die Mormonen (LDS) setzen zu wollen, halte ich für obsolet und nicht zielführend in der Frage nach dem sexuellen Missbrauch in den christlichen Kirchen. Insgesamt hat die Religionsgemeinschaft der Mormonen (LDS) ca. 12.000.000 Mitglieder, davon ein Viertel allein in den USA. Dass da auch Missbrauchsfälle auftreten, halte ich für wahrscheinlich und, dem Gesetz großer Zahlen folgend, sogar für zwingend wahrscheinlich. Jedoch halte ich es nicht für wahrscheinlich, dass diese Zahlen überwiegen und einen Schluss auf die Mormonen (LDS) zulassen, der darin besteht, dass derartige Fälle etwa typisch für diese Kirche seien, und darum geht es.

Ganz anders sieht es bei der FLDS-Kirche aus Dies steht für Fundamentalist Church of Jesus Christ of Latter-Day Saints, die sich im frühen 20. Jahrhundert abgespalten haben. Es sind die Fundamentalisten, die an dem Heiligen Bund der Vielehe festhalten, die bei der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (LDS, The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints) jedoch strikt verboten ist. Die exakte Zahl der Mitglieder der FLDS in den USA ist nicht genau bekannt. Man kann wohl von ca. 10.000 ausgehen. Ihr "Prophet", Warren Jeffs, ist in Texas zu lebenslänglich + verurteilt worden. Hierzu der Link: http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/sekte-in-texas-polygamie-inzest-missbrauch-1539399.html  Ich stelle dies hier einmal rein, um für den interessierten Leser eine Verwechselung mit der LDS entgegenzuwirken.

Wie gesagt, es geht einfach darum, wie typisch und bezeichnend es für eine Religionsgemeinschaft oder Denomination ist, dass innerhalb ihrer Reihen sexuelle Übergriffe stattfinden. Jeder kann sich dabei ein eigenes Bild machen, indem er im Internet recherchiert. Dabei gilt es aber, solche Beiträge, die der offensichtlichen Diffamierung einer Religionsgemeinschaft dienen sollen, also die einen Generalverdacht gegen eine Kirche oder Glaubensgemeinschaft  insinuieren sollen - aus welcher Motivlage haraus auch immer - von jenen zu unterscheiden, die objektiv und nachweisbar sind. Hochstilisieren kann man alles, aber dann soll man doch bei denen ansetzen, wo es ganz offensichtlich und beweisbar ist. Hier irgendwelche englischsprachigen Fragmente von angeblichen und alten Fällen in den USA reinzusetzen, die zudem noch aus zweifelhaften Quellen stammen, halte ich jedenfalls nicht für zielführend, um einen objektiven Eindruck über die Mormonen zu gewinnen.

Wo sind exemplarische Links für Ermittlungsverfahren? Die USA sind ein Rechtsstaat, und sexual abuse (sexueller Missbrauch) oder child sexual assault (Kindesvergewaltigung) sind "felony counts" (Verbrechenstatbestände, im letztgenannten sogar Kapitalverbrechen) in den USA. Gesetzliche Privilegien, wie hier in Deutschland (§ 139 StGB und § 53 StGB) gibt es dort nicht  in dieser Form und in diesem Umfang für "Geistliche". Aussageverweigerungsrecht heißt, sie dürfen über Dinge, die sie während der Ausübung ihrer Tätigkeit erfahren haben, vor Gericht in Deutschland die Aussage verweigern. Abgesehen davon droht in der katholischen Kirche sogar die zwangsläufige Exkommunikation im Falle des Verstoßes gegen das Beichtgeheimnis. Ich denke, man sollte bei diesem Thema das richtige Maß finden, und in der Beurteilung der Kirchen die Relationen und tatsächlichen Fallanzahlen nicht außer Acht lassen. Wie gesagt, das www spricht da eine eindeutige Sprache.

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