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Seite erstellt am 20.1.19 um 6:06 Uhr
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der Beitrag:
Verfasser: Erwin
Datum: Dienstag, den 9. Dezember 2014, um 12:13 Uhr
Betrifft: Psychische Abhängigkeit und Sucht

> EBT-Eltern- und Betroffenen-Initiative gegen psychische Abhängigkeitist ja der Betreiber dieser Website, was ja gelegentlich von Forumsteilnehmern übersehen wird, aber das nur so nebenbei.

Nur der Richtigkeit halber: es ist EBI Sachsen e.V. (Eltern- und Betroffenen-Initiative)  in Leipzig. :-)

> Hab heute morgen im Radio ein längeres Interview mit Doris Wagner gehört und daraufhin folgende TV-Sendung im Netz gefunden.  (...)

Das werde ich mir nachher mal ansehen. Die Begriffskonstruktion "psychische Abhängigkeit" finde ich immer wieder bemerkenswert, so dass es mir erstrebenswert erscheint, einmal zu ergründen, welche psychischen Prozesse daran eigentlich beteiligt sind. Ich habe mal ein Buch von einem amerikanischen Fachjournalisten ("Smoke") gelesen, in dem auch ein Kapitel über das Nervensystem, die unmittelbaren Auswirkungen auf Rezeptoren und Endorphinemittierung usw. vorkam. Auch den Aspekt der Konditionierung fand ich sehr interessant, denn ein Raucher verknüpft den Griff zur Zigarette mit bestimmten auslösenden Momenten, was man als Konditionierung verstehen kann.

Perfide beim Nikotin ist seine biphasische Wirkung. Je nachdem, wie tief die Inhalation ist, wird unbewusst eine unterschiedliche Dosis aufgenommen: die höhere Dosis (tiefe Züge) beruhigt, die niedrigere Dosis (flache Züge) wirkt anregend. Somit steuert der Raucher (größtenteils unbewusst) seine eigene Stimmungslage. Jetzt fragt man sich, was hat das Eine mit dem Anderen zu tun? Entscheidend ist die Produktion von Botenstoffen, wie z.B. die des angesprochenen Endorphins am Ende der Ereigniskette, wodurch ein euphorisierender Zustand (ich vermeide absichtlich das Adjektiv "glücklich") erwirkt wird. Somit können die Auslöser unterschiedlich sein, also in Form von Substanzen, die man sich zuführt, oder auch durch Zelebrierung religiöser Riten (die Mormonen beten gewiss zehn mal am Tag). Das Endergebnis ist das gleiche: die Substanz Nikotin wirkt auf sogenannte nikotinistische Rezeptoren und führt am Ende der neurophysiologischen Ereigniskette zu einem euphorischen Zustand, und bei der Religion ist es Konditionierung mittels Glaube.

Heute gibt es eine wissenschaftliche (Unter-) Disziplin wie die Neuropsychologie. Das ist sehr interessant, denn es wird untersucht, inwieweit neurophysiologische Vorgänge an unserer psychischen Konstellation beteiligt sind. Vielleicht hat David Eagleman ja Recht, wenn er sagt, dass die Freiheit der Entscheidung nur eine Illusion ist, und dass unser Bewusstsein irgendwo an der Peripherie angeordnet ist, und die wirklichen Entscheidungen schon getroffen worden sind, noch bevor wir uns dessen bewusst sind. Und Religion ist gewiss auch eine Art Opium, und wenn man Christopher Nemelka betrachtet, so fürchtet sich der Christ davor, seine Schuld zu tragen, und tendiert zu dem Konzept des Sühnopfers. Das macht ihn, so Nemelka, jedoch unwürdig in dem Sinne, selbst ein Gott werden zu können, was ich für eine recht interessante Sichtweise halte. :-)

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