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Verfasser: Gipfelstürmer
Datum: Montag, den 11. Januar 2010, um 22:15 Uhr
Betrifft: Leben und leben lassen

Hallo zusammen!

Ich möchte hiermit gerne ein neues Diskussionsthema beginnen. Seit geraumer Zeit engagiere ich mich in diesem Forum, weil ich kontroverse Auseinandersetzungen über Glaubensfragen spannend finde und weil ich dazu beitragen will, Missstände in meiner Glaubensgemeinschaft zu erkennen und sie in meinem Einflussbereich evtl. ein bisschen zu beheben. Eine Frage, die mich jedoch seit langer Zeit beschäftigt, und die für mich durch das Lesen verschiedener Beiträge in diesem Forum noch überhaupt nicht beantwortet wurde, ist die folgende:

Woher kommt die offenbar z.T. sehr große Motivation, sich auch nach dem Verlassen der HLT-Kirche intensiv mit Ihrer Geschichte und ihrer Lehre zu befassen, sich darüber zu mokieren und darüber aufklären zu wollen?

Eine Antwort habe ich vor dem Hintergrund der folgenden drei Annahmen noch nicht gefunden:

1. Biologisch liegt die Überlebenschance eines jeden Menschen bei 0%. Wir werden alle irgendwann sterben. Unsere Besitztümer können wir dann nicht mitnehmen. Bis dahin hoffen wir, ein möglichst gesundes, erfülltes und zufriedenes Leben zu führen.

2. Jeder Mensch sucht seinen individuellen Weg zum Glück und nach dem Sinn im Leben. Dabei ist es völlig normal, an Dinge zu glauben, die sich nicht rational erklären lassen und die nicht plausibel sind. Viele Menschen sind davon überzeugt, dass die Bibel das Wort Gottes ist, dass wir alle eine immaterielle Seele besitzen, dass homöostatische Stoffe heilen können, dass wir unsere Familien nach dem Tod wiedersehen, …

3. Auch wenn sich diese Überzeugungen nicht beweisen und manchmal sogar glasklar widerlegen lassen, so stellen sie für Menschen dennoch oft eine wichtige Stütze dar und sie tragen zu ihrem Glück bei. Wer an die Kraft des Gebets glaubt, wird mit größerer Wahrscheinlichkeit gesund, wer meint, später wiedergeboren zu werden, hat vermutlich weniger Angst vor dem Tod, wer alle Menschen als Gottes Kinder ansieht, wird voraussichtlich nachsichtiger mit Anderen sein und nur wenig Energie in sinnlose Streitereien investieren, …

Ich gehe davon aus, dass wir uns im Hinblick auf diese drei Punkte nicht unterscheiden: Wir alle werden sterben, wir alle glauben an nicht plausible Dinge und wir alle versuchen, uns durch diese Überzeugungen die Lebenszeit zu erleichtern. Ich bin der Auffassung, dass dies völlig in Ordnung ist. Wenn ich meine persönlichen Lebensfragen auskämpfe, so finde ich Hoffnung in Jesus Christus, der meine Sünden auf sich genommen hat und für mich gestorben ist. Die Annahme, dass ein Mann wie Joseph Smith, der so viele Schwächen hatte, von Gott als sein Sprachrohr ausgewählt wurde, macht mich sehr zuversichtlich, dass im Himmel auch Platz für mich ist. Das Lesen der Bibel, des Buches Mormon, des Buches Lehre und Bündnisse sowie der Köstlichen Perle eröffnet mir häufig neue Horizonte und ich fühle mich gestärkt. Mein Glaube ist nicht rational. Aber er hilft mir. Wie mir geht es auch vielen weiteren Menschen. Mormonen leben im Durchschnitt sogar gesünder und länger als andere Leute. Natürlich fühlen sich manche Personen dort nicht wohl und es ist völlig okay, wenn sie diese Religionsgemeinschaft verlassen. Aber es wird wohl niemand in Abrede stellen, dass die HLT-Kirche mit ihren nicht plausiblen Glaubensinhalten für manche Menschen genau der richtige Platz ist.

Ich frage mich manchmal, ob es daran etwas auszusetzen gibt. Woher kommt die Genugtuung im Zusammenhang mit einer Darstellungsweise der HLT-Kirche, die viele ihrer Mitglieder abschreckt und die Manfred wie folgt beschreibt: „Einer sinnlosen Betrugs-Organisation das Handwerk zu legen, oder wenigstens einen kleinen Teil dazu beigetragen zu haben, ist auf Dauer sehr befriedigend, wenn es nicht sogar zu ewiger Glückseligkeit führt. Ich bin schon immer Genießer gewesen, kaue jeden Bissen x-mal, bevor ich ihn herunterschlucke; will sagen, dass ich es nicht eilig habe und gern zuschaue, wie das Lügengebäude allmählich abbröselt und die Wahrheit mehr und mehr öffentlich wird“ (http://forum.mormonentum.de/25823.html). Woher kommt das Vergnügen von Leuten, die sich ihr eigenes begrenztes Leben durch nicht plausible Glaubensinhalte an ein Nirwana, an Naturgöttinnen oder an das Wirken des Dao erleichtern, die stützenden Überzeugungen anderer Menschen zu zerstören? Warum muss man mit extrem großer Ausdauer ständig auf der eigenen Ansicht beharren, der Mormonismus sei ein einziges Lügengebäude, wenn sich so viele Leute darin wohlfühlen? Nächstenliebe kann es ja wohl nicht sein. Wie gesagt leben aktive Mormonen in der Regel länger, gesünder und glücklicher. Warum sollte ich ihnen ihre nicht plausiblen Überzeugungen nehmen, damit sie danach an andere Dinge glauben, die ebenfalls nicht nachvollziehbar sind? Was ist damit gewonnen und was rechtfertigt dieses Bemühen? Und was bereitet daran „Befriedigung“?

Ich bin auf Eure Meinungen gespannt.

Viele Grüße

Gipfelstürmer

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