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der Beitrag:
Verfasser: Nyu
Datum: Sonntag, den 12. Oktober 2003, um 22:46 Uhr
Betrifft: Über "Popiekser"

....ich habe echt gebrüllt, als ich das Wort zum ersten Mal gelesen habe. So in etwa: "boooaahh haahaa"
 
Zum Thema "Henning ist schwul" kann ich nur sagen, dass ich Dir diesen Gefallen leider nicht tun kann. Ich fürchte, allein die Existenz meiner Frau und meiner zwei Kinder legen Zeugnis davon ab, dass ich zumindest nicht gänzlich schwul sein kann. Ich kann Dir aber vergewissern, dass ich Männer bezogen auf das Sexuelle im hohen Masse unattraktiv finde.
Aber, da ich Mitglied der Partei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bin, sollte klar sein, dass ich in vielen Dingen eine andere Meinung vertrete als manche rechtskonservative Ewiggestrige.
 
Aber ich kenne schwule Männer. Ich verabscheue nicht, was sie tun. Ich denke, dass die Menschen viele Dinge tun, die man nicht unbedingt nachvollziehen kann. Aus diesem Grund haben Religionen ja auch immer wieder versucht, den Menschen vorzuschreiben, was Männer und Frauen in ihren Betten so treiben oder nicht treiben sollen. Nur noch Blümchensex mit Licht aus und nur zum Kinderzeugen. Super. Und dann 13 Kinder haben.
Wo willst Du denn die Grenze ziehen?
Ich sag´ Dir wo ich die Grenze ziehe. ICH bin der Meinung, dass Menschen, die sich aufrichtig lieben und die sich zueinander verpflichtet haben (zumindest durch Verlobung) miteinander den Sex haben können, den sie wollen. Mir ist dabei egal, ob es zwei Männer sind oder zwei Frauen oder ein Mann oder eine Frau oder ob die andere spannende Sachen anstellen.
Mich kotzt diese Machtausübung der Religion an, die fast unauslöschliche Komplexe in den Menschen verursachen, die es ihnen schwer macht, ausgewogene und aufrichtige Leben zu führen. Zu einer ungesunden Lebenseinstellung zählt für mich auch, das man in der Lage ist, Menschen aufrichtig zu tolerieren und sich an ihnen trotz ihrer Eigenheiten zu erfreuen. Dazu gehört auch, dass ich mich mit und für einen schwulen Mann freuen kann.
Es widerstrebt meinem Gefühl von Solidarität, Menschen deshalb auszugrenzen, weil mir ihre Religion, Hautfarbe, sozialer Stand, Herkunft und Kultur fremd ist. Dazu gehört für mich auch die sexuelle Orientierung. Die Mormonenkirche hat sich ja besonders darin hervorgetan, Homosexuelle in ihrer Menschenwürde zu kränken, indem sie sie diskriminieren und sozial ausgrenzen. Das ist dadurch zu erklären, dass die Mormonenkirche meint, Homosexualität sei eine Verirrung eines Einzelnen und ein gesellschaftliches Phänomen, das durch den teuflischen Wertewandel befördert wurde. Homosexuelles Verhalten ("Popiekserei", wie Du sagst) ist eine Sünde.
Die BYU hat VIEL Geld dafür ausgegeben, zu beweisen, das Homosexualität eben nicht biologischen Ursprungs ist. Sie hat Schwule unter Androhung von Rauswurf von der Uni und Einbehaltung ihrer Unterlagen (was ein Studium an einer anderen Fakultät verhindert hätte) zu Elektroschock- und Erbrechentherapie (teilweise unglaublicherweise unter Einbeziehung pornographischen Materials). Es hat sich herausgestellt, dass diese vielen Gelder umsonst ausgegeben wurden. Mehr und mehr stellt sich heraus, dass bestimmte genetische Prägungen für Homosexualität bei den Menschen verantwortlich sind.

Dieses Märtyrergerede von Orthodoxen, "jede Form von Forschung, die Belege dafür liefert, dass Homosexualität eine Entscheidungssache ist und nicht eine Sache des Wesens der Person, [würde] ja eh sofort behindert und von den Liberalen torpediert", lasse ich nicht gelten. Wer austeilen kann - immer und immer wieder - der soll gefälligst auch einmal was einstecken können. Vor allem, wenn die eigenen Behauptungen unhaltbar sind.
 
Was meinen Anspruch an Solidarität immer wieder herausfordert, sind Fundamentalisten. Das Problem beim Fundamentalismus ist es ja, dass jene nicht einfach die Klappe halten können oder sich aufgrund ihrer geistigen Behinderung von Ämtern, wo sie anderen weh tun können fernhalten, sondern in der Regel ist es ja eher so, dass die Fundamentalisten sich für bestimmte Ämter qualifizieren und dann Andere in ähnliche Ämter heben, die genauso verbohrt sind, wie sie selbst. Das heisst, Falken und Betonköpfe werden für ihr Denken ja auch noch belohnt.
Ich weiss, dass ich ja auch Toleranz für die Intoleranten aufbringen sollte.
Aber Passivität muss hier falsch sein.
"Todsünde" so ein SCHWACHSINN.
Wer dieses Wort in den Mund nimmt, muss sich ja verdammt sicher sein, dass er oder sie die Liebe und die Gnade Gottes voll verstanden hat.
Wenn ein Mensch damit leben muss, dass er Zeit seines Lebens nie die Möglichkeit hatte, sich dem anderen Geschlecht hingezogen zu fühlen und einfach "normal" zu sein und sich nur in Menschen verlieben kann, die eventuell diese Liebe niemals teilen werden, der ist sowieso schon belastet genug. Wenn dann auch noch religiöse Fanatiker daherkommen und ihnen den Zugang zu Gott abschneiden, indem sie ihm sagen, dass er sicher in der Hölle landen wird, wenn er nicht das Zölibat annimmt, dann wird solch ein Mensch daran schaden nehmen und sich in seiner Würde gekränkt sehen.

Die Gesellschaft verändert sich. Die Menschen lernen, den Anderen nicht mehr deshalb auszugrenzen oder abzulehnen, weil er "anders" ist. Dieser Trend wird sich fortsetzen, selbst wenn viele Menschen (religiöse und politische Rechte und Vertreter egoistischer Interessen) versuchen werden, dies zu verhindern. Allein die demographische Entwicklung wird zumindest die Deutschen dazu zwingen, sich anzupassen, weil man die heutigen Probleme in der Gesellschaft nicht dadurch lösen wird, wenn wir uns nach Aussen abschotten oder wenn wir darauf hoffen, dass Deutschgebürtige wieder eifrig Kinder zeugen. Wir werden uns auf andere Lebensanschauungen einstellen müssen, wenn wir nicht aneinander geraten wollen. Das heisst nicht, dass man seine Identität aufgibt, sondern dass heisst, dass man toleranter wird.

Man sollte zwar auch gegenüber den Intoleranten tolerant sein, aber dass heisst wohl kaum, dass man nicht auch Widerstand leisten kann.

Viele Grüsse,
Henning

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