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Verfasser: Nyu
Datum: Samstag, den 22. Februar 2003, um 12:05 Uhr
Betrifft: Götter werden

Hallo Chamael,

das mit dem Hindu-Glauben finde ich sehr interessant. Du weisst aber auch, dass Mormonen überwiegend nicht die Gelegenheit finden werden, sich intensiv mit diesen Lehren auseinander zu setzen, weder mit dem Hinduismus, noch mit den verschiedenen buddhistischen Lehren oder sonst irgendeiner Lehre. Da sie
1. keine Zeit finden werden, sich mit "minderwertigen" Lehren zu beschäftigen da man ja eh schon kaum Zeit findet, die eigenen Schriften zu studieren,
und 2. man sowieso die Philosophie und Denkweise eines, sagen wir, Tibetanischen Totenbuchs nicht versteht und sich dann wahrscheinlich einfach freuen wird, dass die eigenen Lehren so "klar und einfach zu verstehen" sind.
und 3. wenn man sie doch verstehen würde, man dann Lehren darin finden würde, die der eigenen wiedersprechen.

Ich z.B. glaube schon seit Jahren an Reinkarnation. Jeder hier wird verstehen, dass das bei den "Heiligen" nur auf Unverständnis stossen muss. Obwohl genaugenommen eine bestimmte Form von Reinkarnation von den frühen Christen auch geglaubt wurde, diese Lehre aber auch nicht wirklich den Lehren der HLT-Kirche widersprechen muss, wenn einen denn überhaupt interessiert, was die HLT darüber denken.

In einigen Punkten muss ich Dir aber dem Sinn nach widersprechen, und zwar da, wo Du die Bibel auslegst und diese dann in den Widerspruch zum polytheistischen Glauben der Mormonen siehst.
Ich denke schon, dass der mormonische Glaube polytheistisch ist aber genau so sehr ist er auch monotheistisch. Sicherlich bin ich kein Theologe aber das ist schon okay, denn Du, glaube ich, auch nicht.
Der mormonische Glaube ist polytheistisch insofern, dass er an die Existenz anderer Götter glaubt. In diesem Zusammenhang unterscheiden die Mormonen aber wohl auch drei Arten von Götter.
1. Gott selbst, d.h. der Vater, der mit seinem Sohn und dem Heiligen Geist unsere Gottheit bildet und
2. Vor-irdische Seelen, die an der Erschaffung der Erde teilgenommen haben und
3. Erhöhte Menschen.
Ersterer wird angebetet, letztere nicht.
Das weisst Du sicher.
Das heisst also in Bezug auf Deine Schriftstellen:

>      Du sollst keine andern Götter neben mir haben! 2.Mose 20-3
>
>      Du sollst dir kein Bildnis noch irgend ein Gleichnis
>      machen, weder dessen, das oben im Himmel, noch
>      dessen, das unten auf Erden, noch dessen, das in den
>      Wassern, unterhalb der Erde ist. 2.Mose 20-4 (wir in
>      ihren Tempeln nicht  eingehalten)
>
>      Bete sie nicht an und diene ihnen nicht; denn ich, der
>      HERR, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der da heimsucht
>      der Väter Missetat an den Kindern bis in das dritte und
>      vierte Glied derer, die mich hassen, 2.Mose 20-5

Da wir die erhöhten Menschen nicht anbeten und auch die vorirdischen Mit-Schöpfer des Universums nicht, kann sich wohl die Schriftstelle in Exodus auch kaum auf das hier beziehen.
Des Weiteren kann man wohl auch feststellen, dass sich (entgegen mormonischen Glaubens) Theologie und Glauben entwickeln, wie man an der einfachen gottbezogenen Hirtenpoesie des Alten Testaments sehen kann, die sich dann in die vielschichtigen Philosophien eines Paulus oder des Gnositzismus weiterentwickelt haben.
Mit anderen Worten: die mormonische Lehre steht nicht im Widerspruch zu den 10 Geboten, da nur Gott, der Vater, angebetet werden soll.
  
Eine Sache passt mir aber auch nicht so recht, ein ehemaliger Katholik hat mich darauf aufmerksam gemacht: es hat schon fast den Anschein, dass die Mormonen ihre ganzen Statuen und Bilder und vor allem ihre Tempel recht stark verehren, so dass man den Eindruck bekommt, hier wird doch eher von Christus abgelenkt als das er verherrlicht wird.
  
Weitere Schriftstelle von Dir:

>      Hesekiel 28.2. Menschensohn, sage dem Fürsten von
>      Tyrus: So spricht Gott, der HERR: Weil sich dein Herz
>      erhoben hat und du gesagt hast: «Ich bin ein Gott und
>      sitze auf einem Götterthron mitten im Meere», da du
>      doch nur ein Mensch und kein Gott bist, und dein Herz
>      dem Herzen Gottes gleichstellst

Bezieht sich das nicht einfach nur auf den Frevel eines Mannes, sich selbst zu einem Gott zu erhöhen? Die Tatsache, dass Mormonen Menschen durch die 2. Salbung auch heute noch zu Göttern machen mag zwar befremden, steht aber nicht im Widerspruch zu obiger Schriftstelle. Die 2. Salbung hat nichts mit krankhafter Selbstüberschätzung oder Eitelkeit zu tun, sondern höchstens mit einem Irrglauben.

Weiter:

>      Markus 12.33. Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm:
>      Recht so, Meister! Es ist in Wahrheit so, wie du sagst,
>      daß nur ein [Gott] ist und kein anderer außer ihm;
>      oder
>      1. Kor. 8.6. so haben wir doch nur einen Gott, den
>      Vater, von welchem alle Dinge sind und wir für ihn; und
>      einen Herrn, Jesus Christus, durch welchen alle Dinge
>      sind, und wir durch ihn.

Eigentlich könnte man hier die selbe Erklärung finden wie oben. Den Mormonen gibt es keine anderen Götter neben Gott, dem Vater (oder Adam - keine Ahnung, was da so geglaubt wird).

D.h. - wenn ich genauer darüber nachdenke, gibt es bei vielen Mormonen schon einen anderen Gott, nämlich sie selber. Weil sie meinen, sie selbst könnten sich durch ihre Werke erlösen. "man wird durch Gnade errettet, nach allem, was man tun kann" wird so gewertet: "Fortschritt machen bis zum Abwinken und vielleicht reichen dann irgendwann deine Bemühungen aus, auch in den Genuss der Gnade zu kommen, die dich dann, weil Du ja die Vollmacht hast und immer fleissig Heimlehren warst, zum Gott machen wird."
Das war jetzt zynisch, sicher. Ich denke aber, hier liegt das wahre Problem des Mormonismus:
Die Stellung der Gnade im Verhältnis zu den Werken.

Mir passt es halt einfach nicht, wenn mit zweierlei Mass gemessen wird. Das können irgendwie alle ganz gut. Die Mormonen in ihrer Kirchenreson, viele Liberalen und Exmos in Ihrer Ablehung und Intoleranz gegenüber den Fundis. Auch letztere neigen zu ungerechtem Urteil.

Gruss,
Nyu

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