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Beitrag 10 von 13
zum Thema Manipulierter James Dean
Seite erstellt am 1.7.22 um 10:31 Uhr
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der Beitrag:
Verfasser: James
Datum: Montag, den 13. August 2001, um 7:03 Uhr
Betrifft: E-Mail an den Express

Mein Leserbrief (E-Mail) an den Express (unter Betr.: "Ein köstlicher Fehlerteufel"):

Sehr geehrte Damen und Herren des "Express." Ich möchte mich bei Ihnen für den "köstlichen" Spaß bedanken den Sie mir bereitet haben.

In Ihrer "Express Online" Meldung ("James Dean die Zigarette geklaut", unter http://express.de/news/1930949.html) vom heutigen Montag, hat sich sich ein höchst amüsanter Fehlerteufel eingeschlichen. Sie schreiben dort:

"Das gibts doch nicht: Weil James Dean immer einen Glimmstengel im Mundwinkel hatte, uns dies so gar nicht in ihr Weltbild passt, fälschte die Mormonen-Zeitung "Dessert News" (sic!) aus Salt Lake City einfach das Foto. Entschuldigung des Chefredakteurs: "Ich wollte ein Foto von James Dean ohne Zigarette, das gabs aber nicht." Hintergrund: Für die Mormonen ist Rauchen eine Sünde."

Nun heißt das Blatt nicht "Dessert News", sondern "Deseret News". Der Bundesstaat Utah hieß unter der Mormonen ehemals "Deseret." Dessert News paßt jedoch pikanterweise. Mormonen sind ja eh der Meinung, daß ihre eigene Lehre, insbesondere ihre "glaubensfördernde Geschichtsschreibung", zum Schutze der unmündigen "Kleingläubigen" als "Milchspeise", z.B. als "Dessert" zu verabreichen sei. In Anlehnung an die Zeilen des Neuen Testaments (siehe Hebräerbrief 5,12), bringt man den eigenen Mitglieder und Interessierten bei, sie hätten "Milch hab(en sie) nötig, nicht feste Speise." Darauf aufbauend vermittelt einer ihrer "neuzeitlichen Offenbarungen": "Denn sie können jetzt noch kein Fleisch vertragen, sondern müssen erst Milch bekommen; darum dürfen sie hiervon nichts wissen, damit sie nicht zugrunde gehen" (Lehre und Bündnisse 19:22). So erleidet so mancher Mormone sein lebenlang eine einseitige, "geistige" Ernährung. Mangelerscheinungen sind die logische und zwingende Folge.

Ein passendes Beispiel wie z.B. bereits die Jugend mit "Desserts" verwöhnt wird, entnehmen sie einer recht aktuellen Botschaft des Führungsgremiums der Kirche, der sog. "Ersten Präsidentschaft." Eines der drei Präsidentschaftsmitglieder schrieb in einer offiziellen Verlautbarung an "die jungen Menschen" der Kirche (in: Thomas L.Monson,  Liahona, Mai 2001, Das Licht des Herrn - wie ein Leuchtturm. An die jungen Mitglieder der Kirche, S. 3ff.):

"Denkt daran, dass Glauben und Zweifel nicht zur gleichen Zeit in euch Raum haben. Das eine wird immer das andere verdrängen. Sollten in euch jemals Zweifel aufkommen, dann weist diese skeptischen, störenden, aufrührerischen Gedanken einfach an: „Ich schlage vor, bei meinem Glauben zu bleiben, beim Glauben meines Volkes. Ich weiß, dass dort Glück und Zufriedenheit zu finden sind, und ich verbiete euch agnostischen Zweifeln, das Haus meines Glaubens niederzureißen. Ich gebe zu, dass ich die Schöpfung nicht verstehe, aber ich akzeptiere, dass es sie gibt. Ich gestehe, dass ich die in der Bibel geschilderten Wunder nicht erklären kann, und ich versuche es auch gar nicht, aber ich erkenne Gottes Wort an. Ich war nicht bei Joseph Smith, aber ich glaube ihm. Mein Glaube ist mir nicht aufgrund wissenschaftlicher Forschung zuteil geworden, und ich werde es nicht zulassen, dass er von sogenannter wissenschaftlicher Forschung zerstört wird.“

Man glaubt es kaum. Es ist zutiefst erschreckend in diesem Land, nach real gelebtem Sozialismus und Nationalsozialismus, solch primitive Indoktrination lesen zu müssen. Eine ganze Jugend wird damit erzogen, keine Fragen zu stellen, keinen Zweifel zuzulassen, zu schweigen, zu verdrängen. "Treibe sie aus", verleugne sie. Mantraartig, ganz artig, rede man sich selbst ein: "Ich weiß, die Kirche ist wahr." Mormonen nennen dies ein "Zeugnis."

Diese Methode ist natürlich systemimmanent. Sie gehört zum Mormonismus wie die Hose zum Hemd. Eric Hoffer beschreibt diese Erscheinung mustergültig in seinem "Der Fanatiker. Eine Pathologie des Parteigängers," Frankfurt a. M., 1999 (engl. "The True Believer. Thoughts on the Nature of Mass Movements, New York, 1951. Dort:

"Die Tatsachen, auf denen der Fanatiker (engl. true believer) seine Schlüsse aufbaut, dürfen <b<nicht seiner eigenen Beobachtung und Erfahrung zu verdanken sein, sondern er muß sie der »Heiligen Schrift« entnehmen. »So fest sollen wir uns an das Wort halten, das uns die Schrift offenbart, daß ich, wenn alle Engel des Himmels zu mir herabstiegen, um mir anderes zu sagen, meine Augen schließen und meine Ohren verstopfen würde - sie verdienen weder gesehen noch gehört zu werden.« (Luther, Tischreden Nr. 168. Zitiert von Funck-Brentano, Frantz: Luther, London, 1939, S.237f.) Sich auf das Zeugnis der Sinne und des Verstandes zu verlassen ist Häresie und Verrat. Die Einsicht, wieviel Unglauben nötig ist, um Glauben nötig zu machen, ist erschreckend.
...
Die Fähigkeit des Fanatikers (engl. true believer’s), seine Augen zu verschließen und seine Ohren zu verstopfen gegenüber Tatsachen, die es nicht verdienen, daß man sie ansieht oder anhört, ist ihm eine Quelle unerreichter Kraft und Standhaftigkeit. Er läßt sich durch Gefahren nicht schrecken, von Hindernissen nicht entmutigen, von Widersprüchen nicht irremachen; denn er leugnet ihre Existenz.
...
Die Wirksamkeit einer Doktrin kommt nicht aus ihrem Inhalt, sondern aus ihrer Gewißheit. Keine Doktrin, so tief und sublim sie auch sein mag, kann wirksam werden, solange sie nicht als Verkörperung der einen und einzigen Wahrheit vorgestellt wird.
...
Es ist daher einleuchtend, daß eine Doktrin geglaubt werden muß und nicht verstanden sein will, wenn sie wirksam sein soll. Absolut gewiß sind wir nur da, wo wir nichts verstehen.
...
Die Frommen werden immer wieder gedrängt, die absolute Wahrheit mit dem Herzen zu suchen - aber nicht mit dem Verstand. »Es ist das Herz, das Gott erkennt, nicht die Vernunft.« (Pascal, Pensées, o.O., o.S.). Als Rudolf Hess 1934 die gesamte nationalsozialistische Partei vereidigte, ermahnte er seine Zuhörer: »Sucht Adolf Hitler nicht mit eurem Verstand, ihr alle werdet ihn mit der Kraft eures Herzens finden.« (Heiden, Konrad: Der Fuehrer, Boston, 1944, S.758). (Hoffer, ebd., S.99ff.)

Erschreckend, jedoch hat ihr Beitrag dazu beigetragen, daß man nicht das Lachen verlernt. Anders ausgedrückt: Köstlich!

Ihnen noch einen schönen und erfolgreichen Tag!

Mit freundlichen Grüßen, James Field

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