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Verfasser: SvenB
Datum: Donnerstag, den 8. Januar 2004, um 19:06 Uhr
Betrifft: Ein paar Gedanken zu Deinen Argumenten

Liebe Sara,

ich habe früher im Prinzip für mich die gleiche Lösung auf die Probleme gefunden, wie Du. Ich argumentierte ähnlich und denke, die meisten Christen erklären sich die schrecklichen Dinge, die passieren auf diese Weise.

Das sind jetzt persönliche Ansichten aber ich schreib sie trotzdem:

Es macht für mich keinen Sinn, dass im Iran 35.000 Menschen tot sind und tausende von traumatisierten Kindern ihre Eltern suchen und bis vor kurzem wahrscheinlich noch einige erfrohren. Es ist ja nicht so, dass die Menschen, nachdem ihnen einiges angetan wurde, glückselig in der Geisterwelt leben. Nein, sie leben oft lange unglücklich weiter und begehen dazu noch die gleichen Taten, wir ihre Peiniger. Ich habe da sehr einfache Ansichten, die aber aus meinem Herzen kommen: Wenn Gott die Menschenseelen wirklich wichtig sind, müsste sein Plan etwas anders aussehen. Ich finde den ganzen Erlösungsplan „an den Haaren herbeigezogen“.

Ich habe mir über Weihnachten mal wieder das neue Testament durchgelesen (teilweise) und festgestellt, dass ich jetzt mit einer ganz andere Perspektive auf die Lehren Jesu blicke. Ich habe sehr viel Politisches in seinen Reden bemerkt, früher mit der Mormonenbrille wäre ich da nicht drauf gekommen. Ich habe auch widersprüchliches festgestellt und ja, die Schreiber haben wohl auch noch einigen Unsinn hereininterpretiert, da bin ich mit JS mal einer Meinung. Das Urchristentum ist für mich eine politisch/philosophisch revolutionäre Bewegung, die viele Menschen begeisterte, weil sie verkrustete Strukturen aufbrach. Wie "Gott" dann sein Christentum verbreitet hat, darüber müssen wir ja nicht reden. Die Vorgehensweise war katastrophal.

Auch wenn ich viele christliche Lehren für richtig und gut halte, so glaube ich nicht, dass dies die wahre Religion Gottes ist. Ich weiß derzeit gar nicht, ob es das gibt. Und eigentlich bräuchten wir auch keine Religion, wenn wir ein vernünftiges Gesellschaftssystem hätten. Es muss aber immer irgendwelche Gurus geben, die Leute um sich zusammenrotten und kontrollieren wollen – Schade eigentlich. Natürlich gibt es ein wohliges Gefühl, wenn man an etwas Glauben kann. Dieses Bedürfnis, welches insbesondere Auftritt wenn man sich allein gelassen fühlt, haben viele Menschen.

Die Opfer als Mittel der Gerichtsbarkeit zu nutzen, halte ich auch für gefährlich. Gott benutzt die Erde, um einige Leute aufeinander Prallen zu lassen, ob nun im Krieg oder beim Sexualstraftäter, um ihn danach zu richten? Neee, glaub ich nicht.

Bei Deiner Erklärung zu Labans Tod musste ich schon etwas schmunzeln, denn den Gehorsam zu testen, ist ja auch ein Argument, welches islamistische Terroristen für ihre Rechtfertigung nutzen – ich halte den Gehorsamsbeweis als Mittel, welches Gott nutzt, für sehr gefährlich. Ich glaube übrigens auch nicht die Story von Abraham und seinem Sohn.

Wenn Du die ganze Geschichte Joseph Smiths unter Einbeziehung mehrerer Quellen untersuchst, kann Dir auch ein ganz anderer Joseph Smith begegnen. Ein Vorbild für Glaube, Gerissenheit, Dummheit und Triebhaftigkeit. Das Problem ist doch, dass wir in der Kirche einen Joseph Smith ohne Ecken und Kanten kennen gelernt haben, das Bild seiner Person wird sehr interessant, wenn man auch unzensierte Quellen nutzen kann (was ja noch gar nicht so lange in Deutschland möglich ist, sondern erst mit der Internet-Nutzung funktioniert).

Na, ja komplexe Themen jedenfalls...

Viele Grüße!
Sven.

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