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Seite erstellt am 15.4.24 um 8:06 Uhr
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der Beitrag:
Verfasser: ---007---Abc
Datum: Donnerstag, den 10. Juli 2003, um 16:20 Uhr
Betrifft: Objekt-naiv ?

Liebe Renate,

offensichtlich haben meine bildhaften Vergleiche Dich etwas aufgebracht, wie ich Deinen Zeilen entnehmen kann. Eigentlich waren Sie doch nur Überhöhungen (so nennt Gunar das wohl), d. h. „Übertreibungen, durch die erst eigentlich deutlich wird, worum es geht“ (Zitat Gunar). Gegenüber dem A…..-Vergleich finde ich meine Vergleiche noch appetitlicher.

Aber nun zu Deiner Kernaussage, dass diese Seite daher nicht als unter falsche Flagge segelnd zu bezeichnen ist, weil sie ein unabhängiges Informationsangebot darstellt. Nun, das wäre genauer zu Untersuchen, wobei die Aussage/Einschätzung von Google (Kraft welcher Autorität ?) allein noch nicht das maßgebende Kriterium sein kann.

Zunächst ist Unabhängigkeit nicht mit Objektivität gleichzusetzen. Ferner stellt sich die Frage, wie jemand, der in seinem Leben so viel Kontakt mit den Mormonen hatte, überhaupt wirklich objektiv sein kann. Im Gerichtswesen reicht die bloße Bekanntschaft mit einem öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen aus, um ihn für einen bestimmten Fall befangen zu erklären. Wenn jemand soviel „Feindkontakt“ hatte, wie viele Ex-Mormonen, läuft er dann nicht auch Gefahr, statt eines zuvor zu rosafarbenen Blickes einen verengten Blick zu bekommen, ohne es vielleicht zu merken ? Auch Faktenansammlungen können zu falschen Schlüssen führen, wenn nicht objektiv ausgewertet. Letzteres ist im Falle von Quellenrecherchen zu historischen Texten nicht immer einfach. Nur weil ein Dokument 150 Jahre alt ist, muss es nicht die Wahrheit über die Umstände zu seiner Zeit wiedergeben. Ich erinnere mich immer noch an den deutschen Forscher (Name entfallen), der zum Thema Mikrochips aus Kunststoff, 16 (!) verschiedene Forschungsberichte gefälscht hat, die von führenden Nobelpreisträgern geprüft worden waren. Da wurde laut nach einem TÜV für Forscher und Wissenschaftler gerufen. Wer kann das leisten ??

Aber der eigenen Anspruch der Webseite an Objektivität, ist gar nicht so hoch angesiedelt, wie Du das formulierst.

Zitat Gunar aus „Anliegen dieser Webseite“:

„Diese Webseite ist also ein Produkt der eigenen intensiven Auseinandersetzung eines Betroffenen mit dem Mormonismus. Diesen Zweck, den ich erst im Nachhinein wirklich begriffen habe, hat sie damit erfüllt. Mein ursprüngliches Anliegen erfüllt sie (hoffentlich) noch heute, nämlich den Einstieg in eine kritische Auseinandersetzung mit den Ansprüchen des Mormonismus zu erleichtern.“

Die Intention dieser Webseite ist offensichtlich nicht, nur zu informieren, sondern die Informationen insbesondere auch kritisch in bezug auf die zu ziehenden Schlüsse zu begleiten. Das ist ja auch in Ordnung so, soll es meinetwegen hunderte von Seiten geben, die kritisch hinterfragen. Aber von einer wirklich absolut objektiven Webseite, die im Sinne eines Lexikons den Sachbegriff als Namen führen könnte und dann auch nicht unter falscher Flagge segeln würde, kann man wohl nicht sprechen, davon zeugen viele kleine Schlüsse oder Details. („Analyse“/Spekulation über Herkunft und Antrieb liberaler Mitglieder – die Schublade lässt grüßen). Wenn es z. B. einen Ratgeber Austritt gibt, wo ist dann der Ratgeber Eintritt ?? (objektiv ?). Es gäbe sicherlich noch mehr darüber zu berichten, dass das Anliegen dieser Webseite in der Summe nicht ist, die Vor- und Nachteile über die Kirche abzuwägen (wahrscheinlich gibt es aus Sicht der Ex-Mormonen nur Nachteile) und dem Interessierten beide Schlüsse, Eintritt oder Austritt, als mögliche Optionen zu erklären.

Um es noch einmal deutlich herauszustreichen: Ich habe kein Problem mit der Existenz, der Aufmachung und den Informationen auf dieser Internetseite. Im Gegenteil: Es trägt in dem Sinne zur Wahrheitsfindung bei, indem es den Akzent nicht auf eine Bestätigung der Mormonen legt, sondern in der Hinterfragung als Ausgleich zur Selbstdarstellung der Mormonen. Aber das ist noch nicht gleichzusetzen mit Objektivität. Jeder Wissenschaftler arbeitet mit einer These, die er durch Versuche und Fakten zu bestätigen sucht. Wenn er allerdings so sehr auf seine (möglicherweise zu korrigierende These) fixiert ist, kann es dazu führen, dass er Versuchsergebnisse oder Fakten übersieht, falsch interpretiert oder vernachlässigt. Er ist nicht mehr objektiv, ohne es vielleicht zu merken.

Insofern finde ich eben, dass diese Seite nicht die hohen Anforderungen der Objektivität erfüllt, und insofern mit dem Namen dann doch  unter falscher Flagge segelt. Wenn Du das anders siehst – auch o. k., aber wenn du tatsächlich meinst, dass diese Seite wahrhaftig so unabhängig und objektiv ist, dass sie lexikalischen Ansprüchen genügt, um die Verwendung des Namens im Sinne eines Sachbegriffs zu rechtfertigen, dann solltest Du darüber nachdenken, ob Dich in der Bewertung der Darstellung nicht die gleiche Blauäugigkeit befällt, wie sie den Mormonen bezüglich ihrer eigenen Selbst- und Außendarstellung zugeschrieben wird.

Stell’ Dir einfach vor jemand verbreitet unter Deinem Namen, diverse (auch private oder intime) Fakten oder Dokumente, die vielleicht sogar wahr sind, die aber aus Deiner Sicht nicht wahr sind oder ein verzerrtes Bild von Dir wiedergeben. Ich hätte Verständnis dafür, wenn Du ihm auf dem Rechtswege untersagen würdest, es unter Deinem Namen zu tun, selbst wenn es viele Renate ……. geben würde, die damit gemeint sein könnten.

Vielleicht kannst Du mich ja eines besseren belehren !

Gruß

007

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