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Beitrag 9 von 29
zum Thema Missionare
Seite erstellt am 11.8.22 um 23:42 Uhr
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der Beitrag:
Verfasser: James
Datum: Freitag, den 5. April 2002, um 20:57 Uhr
Betrifft: Erfahrung und Tips

Dennis schrieb u.a.:

>Meine Frage ist nun, welche Erfahrungen habt ihr mit Missionaren gemacht, welche Tips könnt ihr mir im Umgang mit den beiden geben?

Hallo Dennis, herzlich willkommen hier. Zwei Dinge zu deiner Abfrage. Thema "Erfahrungen" mit Missionaren & Tips zum "Umgang."

1) Zu den "Erfahrungen":

Ich war selbst mal einer. Du solltest wissen, falls Du es noch nicht weißt, daß sie intensiv ins Tainingslagern (z.B. die ersten 2 Monate ihrer Missionszeit), selbst nennen sie es z.B. "Missionary Training Center" (MTC) , trainiert, ausgebildet und gedrillt werden. Wobei: Das MTC ist ja nur der Einstieg, das "Training" setzt sich ja auf Mission fort. Dafür ist ja u.a. der sog. Missionspräsident und die weiteren Führungsfunktionäre da, den letzten Schliff geben. Dafür gibt es Trainingsbücher und Anweisungen, plus ein wöchentliches (auf jeden Tag bezogen) Berichtswesen! So manche Firma wäre froh über ein so funktionierendes Reporting. Über jede Stunde und Aktivität muß Rechenschaft abgelegt werden, inkl. Aufsteh- bzw. Zubettgehzeiten. Insbesondere natürlich die "Erfolge" der täglichen Missionsarbeit (Anzahl und Qualität der "Untersucher", deren "Fortschritt" etc.) Im Grunde genommen ist jeder Handschlag genau vorgeschrieben. Mormonen selbst würden dies natürlich nicht als "Verkaufstraining" bezeichnen, logisch. Diese "Erfolge" bestimmen natürlich auch die "Karriere" des einzelnen Missionars, seinen Aufstieg in der Hierarchie, vom "Junior" zum "Senior", zum "Distriktsleiter", zum "Zonenleiter", bis zum "Assistenten zum Missionspräsidenten." Mormonen werden natürlich betonen, daß dies alles unter Inspiration geschieht.

Die "Lehrstoffe" (Diskussionen) der Missionare sind genau vorgeschrieben, in Rollenspiele werden diese eingeübt. Körpersprache (Mimik, Gestik) werden genau festgehalten und eintrainiert. Im MTC und auch später (im Missionsfeld zum Teil abhängig von der "Qualität" der örtlichen Funktionäre. Jeder Frischling, Mormonen selbst reden von "Greenies" (Grünlingen, noch naß hinter den Ohren), offiziell ein "Junior" werden einem erfahrenen Mitarbeiter zugeteilt, dem "Senior." Es gibt z.B. "Lehrbücher" (eins liegt mir vor) für das Verhaltenstraning, eben dem "Verkauf." Denn nichts anderes wird ihnen beigebracht, ihre Botschaft und sich selbst zu "verkaufen." Unterwegs auf "Seelenfang", so ein Bericht (siehe weiter unten). "Erfolgreicher Verkauf" bedeutet in der Konsequenz, a) sich selbst, seine Persönlichkeit verkaufen, und b) die Bedürfnisse des "Kunden" (mormonisch: Untersucher) zu ergründen, besser, ihn selbst ergründen zu lassen, und diese zu befriedigen. In z.B. dem "Missionary Guide. Training for Missionaries", wird den Missionaren auf 252 Seiten erläutert wie sie (Zitat von der ersten Seite):"

"Leuten helfen zu Christus durch die Verordnungen der Taufe ... zu Christus zu kommen. ... Sie können den Leuten, durch das Anwenden eines Prozesses der Verpflichtungsmethode genannt wird, dabei helfen sich zu bekehren. ... Es gibt eine Vielzahl von Missionierungsgrundsätzen und Fertigkeiten ..."

Der Aufbau ist stets gleich: Einführung, Übung (inkl. Wie sollte man es nicht machen, plus: Wie man es richtig macht), Kritik des Trainers, Zusammfassung.

Einen sehr guten Eindruck über das "Verkaufstraining" vermittelt ein ZDF-Bericht aus dem letzten Jahr. Zu finden hier (unbedingt ansehen!):

http://reporter.zdf.de./

Klicke dort unter: Archiv (oben Mitte, oder unten rechts)

Dort dann auf "Chronologisch anzeigen" klicken, runterscrollen zur Sendung vom 20.6.2001, dort auf den Beitrag "Mormonen auf Mission" klicken.

Dort findest Du schon die treffenden Worte zum Beitrag:

"Im "Missionary Training Center" (MTC) der Mormonen in Provo im US-Bundesstaat Utah bereiten sie sich auf diese Aufgabe vor. Das MTC - eine Art Glaubenskaserne: In nur zwei Monaten werden hier hier jedes Jahr 60.000 junge Missionare auf ihre Aufgabe im Ausland eingestimmt: Sie lernen die fremde Sprache, und ein bißchen auch die fremde Welt kennen.

Rollenspiel im Original-Wohnzimmer

Im Rollenspiel im original deutschen Wohnzimmer werden "Sister Tschirhart" und "Elder Morgenegg", wie sie sich während der Mission nennen werden, vorbereitet: Welche Fragenkönnten im Lauf des Gespräches gestellt werden? Und was sind die richtigen Antworten? Das Gespräch verläuft in freundlicher Atmosphäre, kritisiert wird hinterher. "Ich möchte mehr Begeisterung, mehr Lächeln sehen", sagt der Trainer bei der Videoauswertung: "Du lächelst für Gott"."

Nun das Video abspielen (entsprechend Deiner technischen Gegebenheiten).

Man kriegt selbst einen guten Eindruck wenn man sich die offizielle Kirchenwebsite unter dem Aspekt Missionsarbeit anzieht. Selbst im Schreibstil des "glaubensfördernen Berichts" kommt die "Glaubenskaserne" gut rüber, inkl. Tagesablauf etc. Siehe dazu z.B. "Life at the Missionary Training Center" (einem offiziellen Infopack für die Medien!):

http://www.lds.org/media/newsrelease/extra/display/0,6025,665-1-112-1,00.html

Die Glaubenskaserne selbst wird hier beschrieben:

http://www.lds.org/media2/fillertext/0,6959,509-1-300,FF.html

Selbst das Kirchenvideo (natürlich unkriitsch) bringt die "Botschaft" rüber (meiner Meinung nach). Man muß nur genau hinschauen bzw. hinhören:

http://www.lds.org/media/newsrelease/extra/display/0,6025,665-1-112-8,00.html

2) Zu den Tips im "Umgang":

Geh absolut normal mit ihnen um. Kein Spielchen, keine Lügen etc. Nimm sie im gewissen Sinne ernst, achte jedoch darauf, daß sie ebensolches tun, laß Dich also nicht manipulieren etc. Trotz aller natürlichen oder erlernten Freundlichkeit und selektiven "frohen Botschaft." Jeder guter Verkäufer appeliert an Deinen "Nutzen", Deine Gefühle etc. Das geht schneller als man denkt, gezielte (erlernte) Fragen werden gestellt, die zu einem bestimmten Ergebnis führen sollen.Wirklich kritische Fragen werden umschifft. So versuchen sie bereits i.a.R beim ersten Besuch (sofern die ersten Manipulationen schon recht erfolgreich gelaufen sind) Dich zum Beten (häufig sogar auf den Knien) zu kriegen. Selbst die grundlegende Form des Gebets geben sie die "nett" vor." "Profis" strahlen dabei wie ein Honigkuchenpferd und gehen vor Dir selbst auf die Knie während sie Dich fragen! Nur starke Persönlichkeiten können sie dagegen wehren. Von der Technik her wie auf einem Marktscheier Erlebnis, z.B. die Profis der umherfahrenden Marktschreier-Gilde. Muß man beobachtet haben wie z.B.
"Bananen-Paule", "Fisch-Kopf" ect, ihre Ware an den Bürger kriegen.

Es kann durchaus ein Erlebnis sein die Missionare zu erleben. Insb. dann wenn man sich auskennt und den "Spieß" umdreht, oder sie nicht vom Spieß läßt. Nachhackt, nachfragt etc. bis zum abwinken. Die Reaktionen reichen dann von Aggression bis zu völligen (erlernten?) Hilflosigkeit.

Cheers, James

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