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Beitrag 49 von 54
zum Thema neuer Liebesbrief
Seite erstellt am 11.8.22 um 21:52 Uhr
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Verfasser: Renate
Datum: Dienstag, den 19. März 2002, um 18:09 Uhr
Betrifft: Egoismus und Furcht

>Handeln dann einige gläubige Mormonen nicht vielleicht ausschließlich aus Egoismus?

Ich würde sagen, dass die meisten strenggläubigen Menschen aus Furcht und/oder Egoismus handeln, auch wenn das meist unbewusst geschieht. Und ich finde das auch ganz natürlich.

Wenn ich mir vorstelle, dass da ein allmächtiger Gott über mir thront, von dem ich (laut Bibel) weiss, dass er fürchterlich strafen kann, rachsüchtig, brutal und egozentrisch ist, wenn ich weiss, dass dieser Gott Gebote gegeben hat, deren Einhaltung er mit Androhung von fürchterlichen Strafen erzwingen will, habe ich doch gar keine andere Wahl.

Da gibt es doch - im Gegensatz zu den Behauptungen - keine echte Entscheidungsfreiheit! Entscheidungsfreiheit bedeutet für mich die Wahl zwischen zwei gleichwertigen Dingen.

Wenn dir jemand sagt: Entweder du befolgst meine Gebote, dann werde ich dich mit ewigem Leben belohnen, oder du befolgst sie nicht, dann wirst du vernichtet werden oder in aller Ewigkeit furchtbar leiden müssen, welche echte Entscheidungsfreiheit hat man dann noch?

Was man dann wirklich noch hat, ist Angst vor der fürchterlichen Strafe und Rache Gottes, also versucht man die Gebote zu halten, was eigentlich kaum möglich ist. Auch wenn man sich noch so sehr bemüht, werden immer Schuldgefühle bleiben, nicht gut genug zu sein.

Bei den Mormonen kommt hinzu, dass ihnen im Falle eines "perfekten" Gehorsams die höchste Herrlichkeit versprochen wird, in der sie selbst wie Gott werden können. Wer gibt sich da schon freiwillig mit weniger zufrieden? Also versucht man perfekt zu sein, was natürlich nicht funktionieren kann und so versucht man die Fehler mit Fasten, Beten und noch mehr Eifer wieder auszumerzen. So etwas erzeugt enormen Druck, den man irgendwo ablassen muss. Wer ist da besser geeignet, als diejenigen, die sich von der Kirche abgewandt haben. Sie sind die Bösen, die Antichristen, die Feinde Gottes. Bei ihnen fühlt man sich nicht schuldig, wenn man seinen Frust ablässt. Ja man fühlt sich sogar noch als Held, als Verteidiger des Glaubens und Gottes.

Der, ein Leben lang währende, Kampf um den besten Platz im Himmel, ist das kein Egoismus? Wenn es diesen Gott, wie ihn sich die Mormonen vorstellen, tatsächlich gäbe, müsste er ganz schön dumm sein, das nicht zu bemerken. Vor allen Dingen müsste diesem Gott doch klar sein, dass seine Schäfchen ihm nicht aus Liebe gehorsam sind, sondern aus Furcht und Berechnung.

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