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Verfasser: Sappho
Datum: Dienstag, den 14. Juli 2009, um 0:40 Uhr
Betrifft: Kinder als Außenseiter

> Aber gerade im Zusammenhang mit der Außenseiterrolle, in der wir uns als Mitglieder der HLT-Kirche manchmal ein wenig befinden, fällt mir zumindest ein sehr positives "Ding" ein: Ich erachte es als hilfreich, eine Gemeinschaft an Freunden mit ähnlichen Werten hinter mir stehen zu haben, die es mir leichter macht, mich in bestimmten Situationen als Außenseiter verhalten zu können.

Dazu fällt mir etwas aus meiner Familiengeschichte ein:

Mein "Vater" lebte als kleines Kind in Idaho, dem "Kartoffelstaat".  In dem Staat in dem er lebte, waren viele Mormonen, und auch einige Schulen, die nach Generalautoritäten genannt wurden. Auf eine dieser Schulen ging er. Eines Tages zog eine nichtmormonische Familie in den Ort. Mein Vater wollte sich mit einem der Söhne anfreunden, was ihm durch seinen Vater verboten war. Er tat es doch, und erlebte, wie er und sein neuer Freund ausgegrenzt wurden, weil sein Freund nicht "dazugehörte", und auch nicht getauft werden wollte.
Mein Vater mußte sich nun entscheiden: Kirche oder Freund. Er entschied sich für die Kirche. Und grenzte seinen ehemaligen Freund in der Schule ebenfalls aus.

Heute würden wir das MOBBING nennen, auch,wenn es damals nicht so schlimm war,wie heutzutage. Aber sowohl mein Vater als auch die Mitschüler, die bei den Mormonen waren (und die Klasse dominierten), dachten, das Richtige zu tun.
Kinder in Schulen oder der Gesellschaft geraten oft dann in eine Außenseiterrolle, wenn ihre Art zu denken und zu leben konträr zu dem der vorherrschenden Meinung ist.
Aber oft grenzen sich diese Sektenkinder selbst aus. Das beste Beispiel sind die Kinder von Zeugen Jehovas, denen in der Schule fast alles verboten ist (weil angeblich "heidnisch).

> Ich bin der Auffassung, dass man oft von viel Unheil bewahrt bleibt, wenn man sich unter bestimmten Umständen den Luxus erlauben kann, sich zum Außenseiter zu machen.

Manchmal wäre es für die Kids bestimmt besser (siehe deine Beispiele), aber das Problem ist, dass die meisten Kids zu einer Gruppe gehören wollen, und sich dann oft dem Gruppenzwang beugen, auch, wenn sie es eigentlich nicht wollen (siehe meinen "Vater").
Sie wollen geliebt und akzeptiert werden, und zu einer Gruppe gehören, die sie beschützt, und "Familienersatz" ist,denn oft ist es in ihren Familien nicht zum besten bestellt.

> Mir ist vermutlich dadurch Vieles erspart geblieben, dass ich Teil bestimmter Gruppen war, wenn ich es wollte, aber durch meine Freunde in der Kirche Alternativen hatte.

Was war das denn für eine Alternative, die ich in meiner mormonischen Kindheit hatte? Freundschaften zu Nichtmormonen wurden nur deswegen gerne gesehen, um sie zu bekehren. Freundschaften zu sogenannten "Außenseitern", wie geschiedene Frauen, Homosexuelle oder Alkoholikern, wurde in der "einzig wahren (und abscheulischen) Kirche" nicht gerne gesehen (okay, es waren die piefigen 60er Jahre).
Und wie sahen die Aktivitäten aus: Zwang, Zwang, Zwang! Gleichförmiges Denken und Handeln, in dem Sinne, dass die Kirchenführung immer Recht hatte, so blödsinnig ihre Aussagen auch waren.
Wer aufmuckte und unabhängig/kritisch dachte, wurde, wenn sie oder er "Glück" hatte, nur mit "Gemeinschaftsentzug belegt, was jeglichen Kritikgedanken sofort in einem zerstörte, wollte man doch die "Gemeinschaft der Heiligen" nicht verlieren.

> Du schreibst von Deiner Hoffnung, dass Dir Deine Kinder irgendwann verzeihen, Deinen Lebensmittelpunkt in der Kirche gehabt zu haben. Ich halte es jedoch überhaupt nicht für abwägig, dass diese frühere Orientierung für Deine Kinder auch teilweise eine Hilfe war. Auch wenn sie jetzt ihren Weg außerhalb ihrer früheren Glaubensgemeinschaft weitergehen.

JEDES Kind/jeder Mensch, der einer Sekte oder einem Kult (für das ich den Mormonismus halte) entkommen ist, ist erst einmal zu beglückwünschen.
Und sie alle behalten Narben von dieser Mitgliedschaft,mitunter ein Leben lang (wie ich). Es mag auch gute Dinge in der LDS gegeben haben und geben, aber sie wiegen nicht all die schlechten Erfahrungen auf.
Vor kurzem schrieb mir eine gläubige Mormonin, die ich durch Yahoo clever kennengelernt hatte. Sie beschwerte sich bei mir, weil ich die Kirche kritisieren würde, und meinte, ich würde Lügen erzählen. ich hatte ihr Links geschickt, so dass sie selbst nachprüfen konnte, wenn sie es wollen würde.
Jedoch wird sie es nicht tun, weil sie in der Kirche gelernt hat, alles kirchenkritische zu meiden. Denn alles kommt vom Satan (selbst, wenn alles von Mormonen kommt)
Auch das ist einer der Folgen des Mormonismus, die ich nicht zu den "guten Erfahrungen" zählen würde, die aber in diesem Kult dominierend sind.

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