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Verfasser: Gipfelstürmer
Datum: Sonntag, den 1. März 2009, um 22:53 Uhr
Betrifft: Erschütternd!

Hallo Skippy,

Deine Schilderungen haben mich schockiert. Ich kann Deine Empörung verstehen. Vor einiger Zeit habe ich das Buch „Aber keiner darf’s erfahren: Scham und Selbstwertgefühl in Familien“ von Merle Fossum und Marilyn Mason gelesen. Darin werden seelische Prozesse beschrieben, die dazu führen, dass Menschen in Großfamilien verschiedene Gräueltaten (wie inzestuöse Akte, körperliche Misshandlungen oder Kindesvernachlässigungen) nicht nur tatenlos dulden, sondern auch noch emotionslos vor sich selbst rechtfertigen. Es ist erschütternd. Ich kenne Deine frühere Gemeinde nicht. Auch über den Vorfall mit der Kindestötung weiß ich denkbar wenig. Aber meiner Einschätzung nach gibt es sehr viele Parallelen zwischen Gemeinden der HLT-Kirche und Großfamilien. Ich finde es schlimm, bei Deinen Schilderungen so stark an die Ausführungen von Fossum und Mason erinnert worden zu sein. Aus Deiner Kritik, die Du an den Reaktionen vieler Mitglieder aus Deiner früheren Gemeinde übst, könnte man die Erwartung herauslesen, Mormonen sollten über den Prozessen stehen, die in dem Buch „Aber keiner darf’s erfahren“ beschrieben sind. Offenbar tun sie das vielfach nicht. Das ist schlimm. Trotzdem fällt es mir nicht leicht, den Stab über alle (passiv) Beteiligten zu brechen. Ich kann nur sagen, wie ich vermutlich gehandelt hätte, wenn in meinem unmittelbaren Umfeld ein solches Verbrechen begangen worden wäre. Aber ich war noch nie in einer solchen Situation und sollte in dieser Hinsicht deswegen sehr kleinlaut sein. Und ich hoffe, dass ich niemals mit einem so schlimmen Verbrechen in meiner Gemeinde oder meiner Großfamilie konfrontiert werde und darauf reagieren muss.

Wie dem auch sei, dass der Vorfall die Missionsbemühungen der Gemeinde beeinträchtigt, kann ich mir gut vorstellen. Das ist wohl auch gut so. Man sollte die Nachwirkungen einer solchen Gräueltat noch lange spüren, um keinesfalls schnell zur Tagesordnung übergehen zu können, sondern sich gedanklich damit befassen und seine eigenen Reaktionen auf den Vorfall hinterfragen zu müssen.

Was ich mit meinem Einwand sagen wollte, ist jedoch hoffentlich klar: Wenn die allgemeine These aufgestellt wird, dass der Erfolg der Missionare abhängig vom Wissensstand der Bürger sei, dann kann man für diese Position sicher viele angemessene Beispiele anführen. Die sehr späte Entscheidung, Männern mit schwarzer Hautfarbe das Priestertum zu übertragen oder die Einführung der Polygamie durch Joseph Smith wirken abschreckend. Das Beispiel mit der Wuppertaler Gräueltat passt hier jedoch meiner Ansicht nach nicht. Sie ist nicht repräsentativ und sagt nichts über den „mormonentypischen“ Umgang mit Pflegekindern aus. Ich nehme an, dass viele Wuppertaler Bürger die Hintergrundinformationen, die Du in Deinem Posting erwähnst (z. B. das Verschweigen des Gerichtsurteils gegenüber den Missionaren u.a.), nicht kennen. Ihnen ist vermutlich in erster Linie die Tatsache in bekannt, dass es unter Mormonen eine Kindestötung gegeben hat. Vor diesem Hintergrund halte ich das Beispiel zur Begründung Deiner These für unangemessen – insbesondere deswegen, weil es ein so schockierendes Verbrechen war.

Viele Grüße

Gipfelstürmer

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