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der Beitrag:
Verfasser: Sappho
Datum: Montag, den 7. April 2008, um 14:46 Uhr
Betrifft: Was ist unverschämt?

Lieber Zvoni,

der Text des Links und meine humoristische Einlage stehen in keinem kausalem Zusammenhang, war aber für mich eine Methode, um ironisch Dampf abzulassen.
Wenn Du mit Satire nicht umgehen kannst, sagt das mehr über Dich, und weniger über mich und den Beitrag aus.
Und das „SCHEISSSSSSSSSS Thema Homosexualität“?

Sag das mal einem homosexuellen Menschen, der wegen Christen unter dem Druck leiden muss, „normal“ zu sein, und der sich deshalb umbringt, oder in der Klapse landet. Sag das einem homosexuellen Teenager, der von seinen „christlichen“ Eltern deswegen rausgeworfen wird, und auf der Strasse umgebracht wird.
Und sag das mal einem homosexuellen Menschen, der von diesen „Christen“ zusammengeschlagen, vergewaltigt oder ermordet wurde, oder der Haus oder Existenz zerstört wurde, alles „im Namen Gottes“!
Du hast geschrieben:

„…du missbrauchst uns und verletzt uns zu tiefst…“

Wo „missbrauche“ ich euch (bist damit du und deine Frau gemeint, oder Christen?), wenn Christen, auch die Nichtfundamentalistischen, immer noch Homosexualität als „nicht normal“ ansehen? Wer missbraucht hier wen?
Vor allem,. Wenn ich an diese Aussage denke:

„Die Prophetenbücher des Alten Testaments enthielten keine Hinweise auf Homosexualität, nur die "priesterliche" Literatur spräche darüber.
Das dort meist verwendete Wort "qadesh" werde im Allgemeinen in Zusammenhang mit Kultprostitution beim Götzendienst (hier mit männlichen Prostituierten) verwendet (z.B. Deut 23:17).
Nur die Stellen im Levitikus scheinen generell von homosexuellen Praktiken zu sprechen (Lev 18: 22 und 20:13).
Alan David Lach "Homosexuality & Scripture From A Latter-Day Saint Perspective", hrsg. von Affirmation, L.A. 1989) verweist hierbei auf einen möglichen Einfluss der persischen (zoroastischen und homosexualitätsfeindlichen) Kultur während des Exils und auf ganz ähnliche Stellen in zoroastischen Schriften. Als Indiz für einen späteren Einfluss macht er geltend, dass hier nicht wie an anderen Stellen auch der parallele weibliche Fall erwähnt wird.
Dies könnte auch darauf hinweisen, dass es sich hier um die Leitung von Kultprostitution handele und nicht um Liebesbeziehungen.
Zu beachten sei ferner, dass dies für Priester galt und Teil ihrer besondere Stellung und Heiligkeit (= "levitische Reinheit") war. Heute würden aber die anderen Regeln dieses "Reinheitsgesetzes" nicht mehr länger für gültig erachtet (z.B. Brandopfer, Beschneidung,
Levirats ehe, Essensvorschriften, das Verbot von Mischgewebe, etc.).
[Mary Douglas sah diese Vorschriften als Symbol für die völlige, ungeteilte, von einem Weg (z.B. vom Weg des Nutzviehs als paarhufig und wiederkäuend) nicht abweichende Verpflichtung/ Weihe gegenüber Gott an.]
Zu beachten sei auch, dass Homosexualität hier als rituelle Unreinheit und nicht als Sünde definiert wird. Der Mangel an weitere direkte oder indirekte Erwähnung zeige, dass diese Frage den Verfassern der Bibeltexte wohl nicht so wichtig war, was bei einer Sünde eigentlich ausgeschlossen sei.
Die Sünde Sodoms sei auch nicht Homosexualität gewesen, wie oft gesagt würde, sondern Götzendienst und Materialismus (nach Ezechiel 16: 48-50), Stolz und Mangel an Gastfreundschaft.
Alan D. Lach verweist ferner darauf, dass es sich bei dem versuchten Angriff der Einwohner auf die Boten des Herrn um die in der Antike bekannte "phallic aggression" (die anale Vergewaltigung zur Demütigen des Gegners) gehandelt haben könnte. Auch spräche Lots Angebot, seine Töchter stattdessen zur Verfugung zu stellen, eher für eine heterosexuelle Umgebung (Lach zitiert auch die Joseph Smith Übersetzung, in der auch der Angriff auf die Töchter als Vergewaltigung und nicht als Angebot Lots aufgezeigt wird).
Die Stellen im Neuen Testament verwiesen auch eher auf einen Bezug zur
(Kult-)Prostitution oder auf die griechische Praxis der Knabenliebe als Erziehungsform (s. 1.Kor 6:9 und 1, Tim 1:10).
So sei vielleicht auch Römer l: 24-27 zu verstehen. "Unnatürlich" sei hier nicht als moralische Wertung zu verstehen, sondern als "Widerspruch zur eigenen Natur" im Sinne von außergewöhnlich. In Römer 11: 24 werde der Begriff für Gottes Gnade gegenüber den Heiden verwendet.
Clay Jenkins (in: "Prologue: An Examination of the Mormon Attitude towards Homosexuality". Prometheus Enterprises 1978) verweist in diesem Zusammenhang auf die antike These, dass Homosexualität durch zu viele heterosexuelle Aktivität verursacht werde. Pauli Statement in Römer sei dann vielleicht so zu verstehen, da er vom Abwenden von den Frauen und Hinwenden zu den Männern spricht. Dann seien hier eventuell nur Heterosexuelle angesprochen, die aus Neugier, etc. homosexuelle Praktiken erprobten.
Alan David Lach verweist auf Unklarheit in der Bedeutung der verwendeten Worte, die auch andere Deutungen als homosexuelle Praktiken zuließen, insgesamt aber die Nähe zur Kultprostitution nahe legten und damit nicht auf gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen abzielten.
Es wird auch auf Pauli Empfehlung des Zölibats hingewiesen, die ja im Widerspruch zu unserer heutigen Hochschätzung der Ehe und ihrer religiösen Bedeutung stehen. Paulus selbst sei vielleicht auch homosexuell gewesen (siehe sein oft erwähnter "Stachel im Fleisch"). Dies würde zu seiner Heftigkeit und zur euphemistischen Umschreibung passen.
Jesus selbst sagte in den Evangelien wenig über Sex, verurteile homosexuelle Praktiken, die zu seiner Zeit im Vorderen Orient weit verbreitet waren, aber auch nicht.
Insgesamt wird festgestellt, dass die Bibel Homosexualität nicht als Sünde definiert und insbesondere keinen Kommentar über die gleichgeschlechtliche "eros "/ romantische Liebe enthalten. Zentral sei in allen Erwähnungen der Götzendienst mit seinen sexuellen Ritualen.
Das Schweigen sei kein Beleg gegen oder für Homosexualität. Aber vielleicht werde nicht genannt, was allgemein üblich und akzeptiert war.

(Quelle: Jörg Dittberner, Homosexuelle in der Kirche“, erschienen in „Betrachtungen“)

Und Arlene Rich sagte dazu:

„Männer haben die Macht, uns unsere Sexualität z. B. durch leugnen zu verweigern (im Alter, in den Wechseljahren, in der Schwangerschaft). Sie zwingen uns ihre männliche Sexualität auf (durch sexuellen Missbrauch, oder der Vorstellung das wir nur mit Männern glücklich werden könnten), sie kontrollieren unseren Körper (Abtreibung, Verhütung, Geburt), sie benutzen ihre eigenen Kinder, um uns zu kontrollieren (Scheidung, Wegnahme der Kinder, z. B. wenn die Mutter lesbisch ist oder mit einem anderem Mann zusammenlebt), sie ersticken unsere Kreativität, indem sie unsere Rechte auf Selbstverwirklichung beschränken....“- „ Wenn Frauen sich von Natur aus, oder aus eigenem Willen ausschließlich zu Männern hingezogen fühlten, wie immer behauptet wird, warum wird dann ein solcher Machtapparat gebraucht, der die Verfügbarkeit der Frau für den Mann garantieren soll, ein alles durchdringendes Machtgefüge, das von physischer Brutalität bis zur Bewusstseinskontrolle reicht“ (in: Denkverhältnisse- Feminismus- und Kritik. S.254).

Das ist das, was sie „Zwangsheterosexualität“ nannte, und ausdrückt, wie Frauen (und in anderer Weise auch Männer) in bestimmte Geschlechtsrollen gepresst werden, und vor allem das Christentum hat in diesem Kulturkreis maßgebliche schuld daran.
Denk einmal darüber nach!!!

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