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Verfasser: Nyu
Datum: Freitag, den 15. April 2005, um 14:46 Uhr
Betrifft: Basis des Glaubens

Hallo Rainer,

Du deckst hier meine noch starke Polarisierung auf. Lass mich ergänzen - zuerst mit zwei Aussagen, die mir in den letzten Tagen aufgefallen sind:
Im aktuellen Spiegel wird der Philosoph Rüdiger Safranski zu den aktuellen Ereignissen in der katholischen Kirche befragt. Auf die Frage, was der Nutzen einer authentischen Religion ist sagt er:
"Dass sie unser Vehältnis zum Leben geräumiger, geheimnisvoller macht. Sie weist uns darauf hin, dass wir das Ungeheure des Lebens nicht zureichend erfassen können. Pseudoreligionen versuchen, die Welt eng zu machen, Punkte zu erfinden, von denen aus man die Welt aus den Angeln heben kann. Aber man sollte sich öffnen und die Möglichkeit der Transzendenz nicht verraten...."

Das andere Zitat kommt aus dem Buch "Das Herz aller Religionen ist eins" vom Dalai Lama und Laurence Freeman, das ich, da ich irgendwie ständig drei oder vier Bücher gleichzeitg lese, immernoch am lesen bin.
Laurence Freeman fragt den Dalai Lama ob, wenn der Buddhismus den Wert von Intelligenz so hoch einschätzt, um diese dann in Bezug zu Spiritualität zu setzen, ein Mensch denn auch Erleuchtung erlangen kann, wenn er nicht intelligent ist. Der Dalai Lama antwortet daraufhin unter anderem:
"...Basiert unser Glauben, unsere Überzeugung auf einem Verständnis, das wir uns gedanklich erarbeitet haben, so ist dieser Glauben, diese Überzeugung sehr gefestigt. Solch eine Überzeugung ist gefestigt, da sie sich selbst von der Wirksamkeit oder Gültigkeit der Idee überzeugt haben, auf die Sie Ihren Glauben setzen. Und dementsprechend ist diese Überzeugung für Sie eine sehr kraftvolle Handlungsmotivation. [...] Demgegenüber sind Glauben und Mitgefühl, die nicht auf solch kraftvollen Überlegungen beruhen, sondern eher gefühlsmässig und instinktiv motiviert sind, nicht so sehr gefestigt, Sie werden allzu leicht unterminiert und erschüttert, wenn Sie auf die Probe gestellt werden. Es gibt sogar ein tibetisches Sprichwort, das besagt: "Jemand, dessen Glauben nicht auf Vernunft gründet, ist wie ein Wasserlauf, der überall hingeleitet werden kann".

Diese beiden Zitate beschreiben im übertragenen Sinne meine Ausgangssituation.
Beide Zitate beschreiben die Authentizität von Religion oder Religiösität für den Einzelnen. Mich führen diese beiden Aussagen zu meiner eigenen Basis.
Zum Einen habe ich bei mir recht stark den Eindruck, dass ich mich aus der einfachen Lösung entfernt habe und die Antwort, die kommt, bevor überhaupt die richtige Frage gestellt wird.
- Auch ich empfinde, dass Pseudoreligion dann ist, wenn die Angst vor kritischer Hinterfragung den Glaubensstand bestimmt und hält.
- Auch ich halte ein auf subjektives Empfinden aber letztlich unreflektierbares Zeugnis für ungefestigt, es sei denn, man igelt sich ein und scheut die Kritik.

Beide Zitate zielen meines Erachtens direkt auf die Basis des Glaubens an die HLT-Kirche, so wie er mir in der Regel in der Vergangenheit begegnet ist.

Jetzt zu Deinen Anmerkungen:

> Ist es der Herr, dem du nicht gerecht wirst, oder bist es in erster Linie du selbst, der diese Ansprüche an sich stellt und diesen nicht gerecht wird?

Letzteres. Aber das schreibe ich ja auch so.

> Müsstest du dich nicht ständig selbst belügen, wenn du ein aktiver HLT sein wolltest, obwohl du nicht an die von dir beschriebenen Dinge glaubst? Eine aktive Mitgliedschaft baut doch auf genau diesen Dingen auf.

Das scheint wirklich so zu sein. In der Kirche ist kein Platz für aktives Gemeindeleben, wenn Du dem Buch Mormon nicht den Raum gibst, den es fordert. Wenn Du in wesentlichen Dingen nicht mit der Kirchenpraxis und der Kirchenführung übereinstimmst, mag das noch zu verschmerzen sein. Aber komplett dem mormonischen Gesellschaftsentwurf zu widersprechen steht auf einem ganz anderen Blatt.
Ich bin der Überzeugung, dass die HLT rein theoretisch Dinge mit einer christlichen Lehre verbinden, die die christliche Welt meines Erachtens schmerzlich vermisst, weil sie es als unorthodox empfindet.
Da ich um Gottes Willen kein Freund von halben Sachen bin - vor allem nicht in Sachen Religion - bleibe ich zerrissen.
Das wird sich auch nicht in 2 oder 5 oder 10 Jahren ändern, davon bin ich überzeugt.

Henning

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