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Verfasser: Ruben
Datum: Sonntag, den 22. Februar 2004, um 18:04 Uhr
Betrifft: Zwänge und Probleme beim Ausstieg

Hallo Franzi,
Wenn Du sensationelle Reaktionen der Mormonen hier als Antwort erwartest, wirst Du, was meine eigene Erfahrung besagt, wohl enttäuscht werden.
Die Kirche der Mormonen läßt einem, wenn man den Ausstieg erst geschafft hat, in der Regel in Ruhe.
Das größte Problem sehe ich in der eigenen Barriere, die man mit Hilfe der Kirche in der Zeit der Mitgliedschaft in sich selber aufbaut.
Wenn man die Lehre der Mormonen ernst nimmt, dann:

- hat man schon Angst vor den Folgen, wenn man allein schon an Ausstieg denkt. Die Mormonen sagen dazu, man verliert sein Zeugnis, d.h. die Überzeugung davon, daß sie die Wahrheit lehren

- hat man Angst davor, seine Familienmitglieder nach dem Tod nicht wiederzusehen.

- hat man Angst davor, seine Verwandten zu enttäuschen.

- wird man automatisch sozial isoliert, wenn man beginnt auszusteigen. Während der Mitgliedschaft ist es ganz schwer, Freundschaften zu Leuten außerhalb der Kirche zu pflegen. Demzufolge steht man fast alleine da, wenn die Mitglieder zu einem den Kontakt abbrechen

- hat man moralische Bedenken, auszusteigen. Weil einem suggeriert wrid, daß der eigentliche Grund ist, weil man die Gebote nicht halten will. Und wer will schon so "schlecht" sein?

- hat man Angst, ohne Orientierung zu sein. Was in der Tat auch anfangs so ist. Die Kirche der Mormonen nimmt einem total das Denken und die Entscheidung darüber ab, was man zu tun hat oder tun möchte. Das stellt eine gewisse Orientierung dar. Fällt diese weg, muß man auf eigenen Beinen stehen, selber denken, selber entscheiden. Für viele der wichtigste Grund, asuzusteigen, für manche ein Problem. Deshalb sind ja auch Menschen, die schwer selber Entscheidungen treffen können, die sich immer über etwas außerhalb ihrer selbst definieren müssen, besonders anfällig für die Werbung von Sekten. Zu dieser Problematik empfehle ich das Buch von Eric Hoffer "Der Fanatiker".

- hat man viel Zeit in die Kirche investiert. Was dann mit sich selber anfangen?

- hat man viel Geld in die Kirche investiert, nämlich zehn Prozent von seinem Bruttogehalt und mehr. Wer möchte schon sich selber eingestehen, daß er diese Summe umsonst ausgegeben hat?

Das sind nur einige Probleme. Ganz zu schweigen von den vielen Diskussionen, die anfangs noch mit einem geführt werden. Kaum einer, der noch innerhalb der Sekte ist, kann das verstehen, daß man austreten will.
Wenn man drin ist, scheint diese Barriere im Gehirn zu existieren: Man kann diese eine Frage gar nicht denken: Könnte alles vielleicht auch ein Schwindel sein?

Wenn Du noch mehr wissen willst, frage. Kannst mir auch eine eMail schreiben. (Wo Du meine Adresse herbekommst, mußt mal den Forumsmaster fragen)

Ich wünsche Dir viel Erfolg und daß es Dir gelingen mag, eine möglichst wahrheitsgetreue Darstellung zu geben.

Gruß
Ruben

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